NICHT FUNKTIONSTÜCHTIG

Das Schlimmste ist, nicht richtig zu funktionieren. Man überlebt, macht immer irgendwas, ist aber zumeist nicht wirklich da.

Wo man ist-gute Frage. Auf jeden Fall in den seltensten Fällen an dem Platz, wo man sein möchte. Das ist traurig, raubt Energie und macht über kurz oder lang das Leben ziemlich fad. 

Konsum kann und soll angeblich sehr gut helfen. So wurde es mir über diverse Ecken zugetragen. Meine Meinung dazu ist: kann auf Dauer auch nicht die Lösung sein, oder?

Jeder ist unzufrieden-irgendwie. Die wenigsten glücklich-vielleicht.

Zumindest erscheint es mir so und ich mittendrin als nicht ganz funktionstüchtiges Stück aus den 80ern, immer im Kreis drehend, meinen Platz suchend und verkleidet als großes ? mit Kulleräuglein. Sieht auf jeden Fall süß aus von Außen-fühlt sich im Inneren jedoch schrecklich an .

Mit niemandem kann man da wahrhaftig darüber reden, den Meisten ringt es nur ein Augenrollen ab und die entnervt gehauchten Worte: „DU hast immer irgendwas.“ 

Zu meiner Verteidigung: die meisten Gegenüber haben auch immer irgendwas. Nur etwas Anderes, das nur die Oberfläche der Pfütze streift, jedoch nicht den Grund des grauen, steinigen Bodens.

Das trennt mich (auch) vom Rest der Welt. Ich wäre gerne eine Wölfin. Eigne mich zur spitz-schnäuzigen Füchsin nur, die bekanntermaßen kein Rudeltier ist. 

Welch tragische Tatsache, dass ich zwar im Einzelnen jede Funktion ausführen könnte, doch im Gesamten die Fähigkeit nicht beherrsche, alle meine Tools anzuwenden. Das ist schade. 

Im nächsten Leben werde ich ein Aufziehfuchs. Dann kann ich, wenn erwünscht, das Rädchen drehen und mechanisch dem Gleichschritt der Menge folgen…

POETRY#5#

Die Wand im Club ist ein Puzzle aus Portraits

Meinen Rücken lehne ich an Lebensgeschichten

Momente in meiner, meist so flüchtig, vergehen rasend schnell

Verschwommen bleiben Bilder zurück

Gefühle stapeln sich bis unter den Horizont

Ich habe vergessen, welches Gefühl zu welchem Bild gehört…

ANGST & SO…

Manchmal habe ich scheiß Laune. Dann habe ich auch keinen Bock zu lächeln. Und ja… ich habe auch manchmal und zwar ziemlich oft verdammt große angst vor dem Leben. Das, obwohl ich viele, tolle Bücher gelesen habe. Das Momente jetzt stattfinden weiß ich – Danke schön. Das ich mir jeden Morgen 108 mal sagen kann das ich toll bin, alles toll ist und der Alltag eine Wuchtbrumme voller Glück, Liebe & Freude ist. 

Was aber oft einfach nicht hilft. Wieso kann ich nicht mal sagen. 

Mein Blick auf die Dinge kann es wirklich nicht sein. Ne, dafür mache ich mich jetzt auch nicht verantwortlich. Bemüht war sie stets, könnte man sagen und das würde es von Außen her auch heißen. Also, nicht zu 100% mein Fehler. Maybe zu 66,66 %. (Ich nehme DIE Verantwortung an!). 

Ich habe oft Angst und verstehe das Leben nicht. Das, was anderen locker von der Hand geht, wie das fröhliche Gesicht, wenn man was tolles geschenkt bekommt, fällt mir nicht leicht.

Mag man mich für eine Lebens – Kläusin halten, muss ich an der Stelle enttäuschen. Ich bin immer irgendwie durch mein Leben gekommen und ich lebe noch. Hatte oft sogar verdammt viel spaß. Aber an manchen Punkten kommt die Angst die Stufen raufgekrochen, lähmt mich und das Leichteste wird für mich unsäglich schwer. 

Ich bin wütend das es so ist, oft auch enttäuscht von mir. Es ist ja nun nicht so, dass mir das gefallen würde. Ältere Generationen würden nun sagen: „Die will nur Aufmerksamkeit.“ Doch ich erzähle das alles nicht mal jemandem. Andere würden jetzt sagen: „Die hat keinen Bock arbeiten zu gehen.“ Muss ich auch revidieren. Ich kann mich nicht erinnern, öfters als 5 mal, außerhalb einer Krankheit den ganzen Tag im Bett gelegen zu haben, um zu chillen. Und ich bin immerhin schon älter als glatte 3 Jahrzehnte und ein paar Jahre kann man noch drauf legen… 

Fazit des heutigen, angsterschütternden Morgens: einfach abwarten und hoffen, dass es aufhört. Denn mit Wut und Angst ist es wie mit einem schlechten Tattoo auf dem Rücken. Man weiß es ist da, man sieht es nicht jeden Tag, aber der Blick fällt zwangsläufig immer mal wieder darauf. 

RED | ROUGE | ROT

Sommernächte sind rot. Genau wie die Liebe. Doch meist vergänglicher, als es diese je sein könnte.  Sie schälen sich langsam und behutsam aus dem Sonnenuntergang. Entschlüpfen wie ein kleiner Vogel und zwitschern lieblich.

Wenn es bei schwarzer Dunkelheit nicht abkühlt, man die Sekunden der Nacht vergehen und an sich vorbeiwehen lässt, ist das Leben ein anderes.  Abgespalten von der Tristesse des (All)Tags, dem ewig Müssen und dem Wollen, landet man im Sein

Hier wird geteilt. Musik, Club,  Zeit, Cocktails…  die Nacht.. Bestrebt an diesem Gefühl festzuhalten, es mitzunehmen, als könne es für immer so bleiben. Bis der Morgen graut.

Dieser schiebt in blauer Stunde das Schwarz vom Himmel. Weckt die Welt, während dessen Traum und Stillstand der Zeit schlafen gelegt werden. Vom Rot bleibt nur noch der blasse Schimmer einer Erinnerung. 

Und doch weiß man, dass in jenen Sommernächten das Leben ein anderes ist. Eine Realität in sich beherbergt, deren Existenz scheinbar einem Märchen gleich, jedoch der Wahrheit entspricht. Leben…

V A K U U M

Ein Raum, der mir gehört, ist voller Vögel. Sie zwitschern nicht, sondern schauen starr von den Wänden, dass Leben in ihnen ausgehaucht, aber sie machen meines dafür bunter…

Weiße Gardinen flattern im Wind des geöffneten Fensters, Doppelfenster, die Alten aus den 20er Jahren. Aus einer Zeit, wo es noch keinen 2ten Weltkrieg gab. Dieser noch weit fort. Ich beobachte sie, wie sie im Wind tanzen und wenn die Leere mich umschließt, die Stille mein Wesen einnimmt, sind sie es, die mit ihrem Rascheln dem Ganzen eine leise Melodie geben….

Sonnenlicht fällt auf den Holzboden und an manchen Tagen dringen Geräusche zu mir herein. So kommt die Stimme des Lebens an mein Ohr, ab und zu und etwas. Sie verrät mir, dass es noch mehr gibt, als stille, starre Vögel und raschelnde Gardinen.

Wenn das Abendlicht den Raum in dunkles Rot taucht, die Schwärze schon hinten ansteht, um den Tag abzulösen, gehe ich Barfuß, leise schleichend auf und ab. Die Dielen knarren, ich halte inne. Niemand soll erahnen, dass ich hier lebe, dass es mich gibt.

Die Spiegel an den Wänden, viele an der Zahl, meide ich. Ihre goldverzierten Rahmen, mit kleinen Schnitzereien, Blumen oder Mosaiksteinchen aus Glas, hängen dort, als gehörten sie hier her. Irgendwie tun sie es ja auch.

Keine Zeit gibt es hier, nur Tag und Nacht, ohne Ziffernblatt und Datum. Egal, welcher Monat es ist. Ich habe mich aus den Jahreszeiten zurück gezogen und sperre Wärme und Kälte aus, selbst, wenn das Fenster geöffnet ist.

In weißem Kleid drehe ich mich im Kreis, wie ein Kind, bis die Welt vor meinen Augen verschwommen da liegt und ich nicht mehr ahnen kann, wo vorne oder hinten ist. Dann falle ich auf die Matratze, gehalten von hellem, schnörkeligem Rahmen und bin mir selbst genug, beobachte die Vögel , wie sie unter der Decke hängen und ziehe mir manchmal das Laken über den Kopf. Damit es dunkel und noch stiller wird um mich herum. Mein Vakuum, meine Welt, so fern ab von all´dem, was da ist.

Ich rieche Wälder und Wiesen, jedoch nur in meiner Erinnerung, die Welt ist etwas, dass ich draußen lasse und bleibe angefüllt mit meiner Welt, in meinem Inneren, hinter den rauschenden Gardinen zurück. Ich schaue nicht hinaus, denn solange ich es nicht tue, steht auch die Welt im Außen still.

RUHRGEBIETSFLUCHT

Ich bin im Pott aufgewachsen. Nicht am Rande, sondern mittendrin. Man könnte sagen, ich war umgeben von Kohle und Koks. Lange hatten wir einen Koksofen und als Kind durfte ich Stunden damit zubringen, Zeitungspapier auf das Feuer zu werfen. Manchmal bin ich im Keller auch auf den Koksberg geklettert und habe erfolgreich dafür gesorgt, dass  er hinterher ziemlich durcheinander war. Mir gefiel das. Den anderen Beteiligten eher weniger. Naja, ich musste das Zeug auch nicht wieder ordentlich zusammenschaufeln. Ich war ja noch kleiner, als die Schaufel selbst.  Wenn ich in die Ferne geblickt habe, habe ich Schornsteine gesehen, aus denen unablässig Qualm strömte. Es schien, als würde dieser Strom aus grauen Wolken niemals versiegen. Umso älter ich wurde, umso mehr umschloss mich eine Enge, die auch nicht mit der Tatsache auf-zu-hübschen war, dass man quasi von einer Stadt in die nächste fallen konnte. Denn das ging. Eine Straßenseite noch „meine Stadt“, war die nächste Straßenseite schon Bochum oder  eben eine andere Stadt. Ich fand das damals wenig  faszinierend. Auch ist mir das „Malocher“-Gen nie so richtig in die DNA übergegangen. Meine hat sich maßlos dagegen gewehrt und sich Weite gewünscht. Und zwar eine, in der man eine gewisse Zeit unterwegs sein muss, um die nächste Stadt zu erreichen. In der man nicht eingekreist war von Zechen und Fördertürmen, die schon viele Jahre tot waren. Irgendwann bin ich dann wirklich gegangen, habe die Monumente und Überreste hinter mir gelassen und im wahrsten Sinne das Weite gesucht.  

Ich gehe selten nach Hause zurück, meide die Fördertürme, die wie Sterne am Himmel meiner Kindheit funkelten.  Aber manchmal, aber manchmal, wenn ich nicht schlafen kann, sehe ich graue Wolken aus Schornsteinen schießen und kugel, kleiner als eine Schaufel, über den schwarzen Berg aus Koks in unserem Keller…

DAS, WAS BLEIBT

Mit voller Wucht reiße ich Kästen vom Schrank herunter. Ich suche etwas, und wie es bei mir immer so ist, stopf ich alles in Kisten, Kästen und Kartons (natürlich unsortiert) und diese verstaue ich irgendwo.

Ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust, mich lange mit dieser Suche aufzuhalten, ärgere mich aber schon wieder, dass ich so unordentlich bin. Bis oben sind diese Kiste vollgestopft, mit allem Möglichen und ich rolle die Augen.

Der Plan, wirklich nur kurz für dieses Unterfangen zu benötigen, zerfällt. Dabei habe ich es eilig.

Ich öffne einen Schuhkarton, auf dem in dicken, schwarzen Lettern „ADIDAS“ steht  und muss schmunzeln. Wie lange trage ich nun keine Adidas-Schuhe mehr? Dieser ist gefüllt mit Dingen, die ich einfach nicht wegwerfen kann. Dazwischen befinden sich Erinnerungen von Liebe, Herzschmerz, schönen und schlechten Dingen. Kaum kann ich wieder stehen, alles auf dem Boden auszubreiten und mich zu einer kurzen Reise in meine Vergangenheit hinreißen zu lassen.

Zwischen all dem entdecke ich eine rote Geburtstagskarte und einen Moment dauert es, um mich daran zu erinnern, von wem sie stammt. In fein säuberlicher Schrift, ordentlich, Zeile an Zeile gereiht, erkenne ich die Handschrift meiner Oma. Ein Mensch, den ich sehr geliebt habe, der mich ab und zu auch genervt hat und ein Mensch, der schon viel zu lange nicht mehr bei mir ist… Mein Herz wird von trauriger Sehnsucht, aber auch einem warmen Gefühl schöner Erinnerungen erfasst und mein Gehirn ist gnädig genug mir zu verraten, an welchem Tag ich diese Karte geschenkt bekam.

Es war mein 18.ter Geburtstag und zu dieser Karte gehörte ein dickes Sparschwein, welches meine Oma eine unbestimmte Weile mit Geld „gefüttert“ hat, um für meine Hochzeitsschuhe zu sparen. Das Schwein hatte eine ganze Menge Geld „gefressen“ und ich hätte die tollsten Hochzeitsschuhe dafür bekommen. Wichtiger waren jedoch die in Liebe verfassten Zeilen, die zu dem Batzen Geld und der lustigen Spardose mit quietsch-rosa Schnauze gehörten.

Früher haben die Mütter immer 10Pfennig gespart über einen langen Zeitraum, wann immer sie konnten, damit ihre Töchter sich Hochzeitsschuhe kaufen konnten. Ich habe immer etwas mehr als 10Pfennig reingeworfen und da ich nicht glaube, dass du sobald heiraten wirst, bekommst du das Geld heute schon. Du bist jetzt erwachsen und sollst Dir etwas schönes davon kaufen. Sei ein braves Mädchen, Deine Oma“

Ich muss grinsen, allerdings legt sich ein Tränenschleier über meine Augen. Ein braves Mädchen war ich oft genug nicht, aber ich liebte meine Oma sehr und in dem Moment, wo ich diese Erinnerung in den Händen halte, weiß ich auch wieder, wie sehr sie mich geliebt hat. Und ich habe sie nicht geliebt, weil sie mir viel Geld geschenkt hat, sondern, weil sie da war! Viele, viele Jahre in meinem Leben.

Ich hatte es eigentlich eilig, aber nun halte ich die Karte in den Händen und schaue sie an. Ich bin traurig, jedoch auf eine andere Art und Weise auch erfüllt. Manchmal, oft wenn man nicht einmal einige Minuten Zeit hat, fällt einem ein Stück seiner Lebensgeschichte in die Hände und lässt in wenigen Sekunden vergangene Jahre, Menschen und Vergangenheit wieder auferstehen… Für diese Zeit, die nun schon lange vorbei ist, sage ich „Danke“.

Die Menschen, die nicht mehr da sind, fehlen mir oft, aber es sind diese Momente, in denen ich sie „wiederfinde“. Irgendwo in meinem heutigen Leben und mich an sie erinnere und unsagbar glücklich bin, dass sie da waren!!!