V A K U U M

Ein Raum, der mir gehört, ist voller Vögel. Sie zwitschern nicht, sondern schauen starr von den Wänden, dass Leben in ihnen ausgehaucht, aber sie machen meines dafür bunter…

Weiße Gardinen flattern im Wind des geöffneten Fensters, Doppelfenster, die Alten aus den 20er Jahren. Aus einer Zeit, wo es noch keinen 2ten Weltkrieg gab. Dieser noch weit fort. Ich beobachte sie, wie sie im Wind tanzen und wenn die Leere mich umschließt, die Stille mein Wesen einnimmt, sind sie es, die mit ihrem Rascheln dem Ganzen eine leise Melodie geben….

Sonnenlicht fällt auf den Holzboden und an manchen Tagen dringen Geräusche zu mir herein. So kommt die Stimme des Lebens an mein Ohr, ab und zu und etwas. Sie verrät mir, dass es noch mehr gibt, als stille, starre Vögel und raschelnde Gardinen.

Wenn das Abendlicht den Raum in dunkles Rot taucht, die Schwärze schon hinten ansteht, um den Tag abzulösen, gehe ich Barfuß, leise schleichend auf und ab. Die Dielen knarren, ich halte inne. Niemand soll erahnen, dass ich hier lebe, dass es mich gibt.

Die Spiegel an den Wänden, viele an der Zahl, meide ich. Ihre goldverzierten Rahmen, mit kleinen Schnitzereien, Blumen oder Mosaiksteinchen aus Glas, hängen dort, als gehörten sie hier her. Irgendwie tun sie es ja auch.

Keine Zeit gibt es hier, nur Tag und Nacht, ohne Ziffernblatt und Datum. Egal, welcher Monat es ist. Ich habe mich aus den Jahreszeiten zurück gezogen und sperre Wärme und Kälte aus, selbst, wenn das Fenster geöffnet ist.

In weißem Kleid drehe ich mich im Kreis, wie ein Kind, bis die Welt vor meinen Augen verschwommen da liegt und ich nicht mehr ahnen kann, wo vorne oder hinten ist. Dann falle ich auf die Matratze, gehalten von hellem, schnörkeligem Rahmen und bin mir selbst genug, beobachte die Vögel , wie sie unter der Decke hängen und ziehe mir manchmal das Laken über den Kopf. Damit es dunkel und noch stiller wird um mich herum. Mein Vakuum, meine Welt, so fern ab von all´dem, was da ist.

Ich rieche Wälder und Wiesen, jedoch nur in meiner Erinnerung, die Welt ist etwas, dass ich draußen lasse und bleibe angefüllt mit meiner Welt, in meinem Inneren, hinter den rauschenden Gardinen zurück. Ich schaue nicht hinaus, denn solange ich es nicht tue, steht auch die Welt im Außen still.

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